Respekt und Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber
Heute wird es ein etwas emotionalerer Post. Weil gerade im realen Leben und auch in der Buchbubble auffällt, dass es da immer wieder Probleme gibt.
Wichtig ist mir im Vorfeld, zu erwähnen, dass ich niemanden angreifen will. Es geht mir eher darum ein Nachdenken anzustoßen, weil man oft auch selbst nicht merkt, was da schief läuft und vielleicht einen Blick von außen braucht.
Ich beginne beim realen Leben, da hier gerade mit meiner gerade diagnostizierten chronischen Autoimmunerkrankung (systemische Lupus erythematodes, kurz SLE) so einige Unstimmigkeiten im Beruf entstanden sind. Meine Familie und engsten Bekannten haben sich sofort informiert und wissen ab und an mehr als ich über diese Krankheit.
Vielen ist nicht klar, was diese Krankheit bedeutet, denn im Normalfall sieht man von außen nichts, denn wie in meinem Fall, wütet die Krankheit im Inneren bei den Organen und im Blut, und das oft unbemerkt und wenn man es zu spät erkennt, dann steht man vor riesigen Problemen oder man wird zumindest für ein paar Tage oder Wochen ausgeknockt. Deswegen sind unendlich viele Arztbesuche nötig.
In der Arbeit wissen vor allem meine Direktorin, ihre Stellvertreterin und ein paar enge Freunde bescheid über meinen Zustand und manche Probleme (sie wissen auch nicht alles, aber zumindest so viel, um abschätzen zu können, was möglich ist und was nicht.) die SLE mit sich bringt. Die restlichen Kollegen wissen, dass ich 3 Monate krank war und dann wieder voll in das Berufsleben eingestiegen bin. Vieles konnte ich verbergen, da ich einen Tag frei hatte und eben alle Arzttermine auf den Tag oder die freien Nachmittage verschob.
Leider wurden nun gegen Ende des letzten Schuljahres Stimmen laut, dass ich nur simuliere und unfähig sein, weiterhin Lehrerin zu sein, da man mit mir nicht mal Projekt- und Wandertage machen kann und mich immer im Lehrerzimmer verstecke. Aber nicht direkt, damit ich mich hätte äußern können, sondern hinter meinen Rücken. Diese Anschuldigungen und in meinen Augen respektloses Verhalten tat unheimlich weh, denn ich wusste, dass dahinter mehr steckte, auch meine Kollegen, die mehr wissen, wie es um mich steht, haben mich zu beruhigen versucht. Aber ich konnte mir nicht helfen, ich nahm es zu persönlich, fiel in ein Loch, das auch meine Symptomatik verschlimmerte.
Und nun ist mir eines klar geworden: Sie wussten es nicht besser. Wer kennt schon die Krankheit SLE? Fast niemand, außer man sieht sich Society Magazine (Selena Gomez, Seal, ...), Dokumentationen über Krankheiten oder Arztserien (Dr. House) an. Ich muss aus meinem Schneckenhaus raus und Verantwortung gegenüber mir selbst und auch den anderen einfordern. Das erzählen meiner Krankheit an die "falschen" Leute hat den Frust meiner Kollegen noch weiter angefacht und ich habe es nicht bemerkt, habe mich durch Selbstzweifel selbst angreifbar gemacht, anstatt endlich in die Offensive zu gehen.
Nun sitze ich vor dem PC und versuche seit Stunden einen Bericht zu schreiben, der die anderen aufklärt über Lupus und meine Probleme, ohne mich völlig "nackig" zu machen. Denn ich will kein Mitleid. Ich will Respekt vor meiner Person, Hilfe, wenn ich zu stur bin, welche einzufordern und gemeinsame Momente, die man erleben kann.
Dazu muss aber klar sein, dass ich nicht aus Jux und Tollerei nicht auf Wandertage gehen kann, sondern auf Grund meiner Probleme, die sich auf das Herz und die Nieren niederschlagen. Ich kann nicht auf einen Berg und wieder hinunter wandern. Vermutlich würde ich es nicht mal bis zur Talstation schaffen. Klar bin ich bei der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie und trainiere jeden Tag, damit es nicht unkontrolliert fortschreitet und ich meinen momentanen Stand noch lange halten kann. Aber keiner kann mir sagen, wann der nächste Schub kommt und vor allem wo. Da möchte ich nicht mit SchülerInnen unterwegs sein, die dann vielleicht den Schock ihres Lebens erleben.
Ihr seht, es ist nicht leicht. Aber genauso sehe ich die Buchbubble. Da geht es einfacher zu kaschieren. Ich kann es mir mit dem Kindle vorlesen lassen, auf Hörbücher umsteigen oder einfach die Schrift so groß stellen, dass ich selbst an schlechten Tagen zumindest 50 Seiten lesen kann. Tatsächlich muss ich mir eingestehen, dass es auch bei der Kraft in den Händen und bei der Sehkraft Probleme gibt, aber will ich es laut sagen? Nein, ich will es nicht akzeptieren, dass die Probleme mich versuchen zu überrollen, ich will mein Hobby ausleben wie ich es will und zumindest einen Hauch von Normalität wahren.
Auch hier muss ich Verantwortung übernehmen. Ich kann viele Bücher lesen, an manchen Tagen sogar mehr als eines und an anderen Tagen geht nichts. Zwar nicht, weil ich nicht will oder in einer Leseflaute stecke, sondern weil die Konzentration nicht da ist oder ich einfach zu müde bin, dass sich nichts mehr normal anfühlt.
Ich werde alle mir anvertrauten Bücher lesen (ich habe da meine Möglichkeiten), aber manchmal geht es nicht von heute auf morgen wie früher. Hoffentlich ziehe ich mit dieser Erkenntnis nicht zu viele Probleme auf mich, aber so ist im Moment meine Realität. Aber es kommen bessere Zeiten laut meinem Arzt, in 2-3 Jahren dürfte ich alle Stolpersteine überwunden haben und wieder im vollen Umfang bloggen und leben können. Aber bis dorthin wird es ein steiniger Weg.
Was allerdings im vollen Umfang funktioniert sind die Autorentage. Also Werbung für die Bücher ist auf jeden Fall möglich, allerdings brauchen manche Interviews länger bis ich sie verschicken kann, weil mir die Schwellungen in den Händen Probleme machen.
Aber nun genug davon.
Bitte denkt in Zukunft daran, dass man nicht immer alles sieht, warum etwas nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Sucht das Gespräch und handelt respektvoll, denn ob man es glaubt oder nicht, manchmal tun Wörter mehr weh, als ein Schwert zwischen den Rippen.
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