Kleine, aber feine Unterschiede in der Definition
In letzter Zeit fällt mir immer wieder auf, dass manche Begriffe nicht richtig definiert oder die Unterschiede gar nicht bewusst wahrgenommen werden.
Viele Geschichten, die ich die letzten Monate gelesen habe, nennen sich Romance, obwohl sie bei näherer Betrachtung eher Liebesromane sind. Manche werben mit dem Trope Enemies to Lovers, obwohl es eher die Vibes von Haters to Lovers hat.
Jetzt könnte man sagen, dass es so knapp beieinander liegt, dass es ja eigentlich egal sein kann. Aber ...
Wenn es schon genaue Definitionen gibt, warum nicht verwenden? Warum mit falschen Tropes werben? Nur weil der Trope sich im Moment besser verkauft oder man bei einem Liebesroman vielleicht kein Happy End bekommt?
Aber ich greife vor. Kommen wir zu den Definitionen:
Das wichtigste gleich vorweg: In einem Liebesroman und einer Romance, spielt die Liebe eine große Rolle, aber in einem Liebesroman spielt sie nicht die wichtigste Rolle.
Romance: Nach dem internationalen Branchenstandards (Romance Writers of America) verlangt ein Romance-Buch zwingend zwei Kernkomponenten. 1. eine zentrale Liebesgeschichte, ohne die die Story nicht funktionieren würde (Nimmst du sie raus, fällt der Plot in sich zusammen) und ein emotional befriedigendes, optimistisches Ende (Happy End). Sie umfasst alle bekannten Genres, wie New Adult, Dark Romance oder auch Romantasy
Liebesroman: Auch hier kommt natürlich eine Liebesgeschichte vor, aber sie ist nicht der wichtigste Teil des Romans, hier behandelt man viel mehr das Beziehungsdrama, familiäre Hürden, tiefere Charakterentwicklungen der Protagonisten und gesellschaftliche Hürden oder Probleme. Wichtig ist auch, dass ein Liebesroman nicht zwingend mit einem Happy End enden muss, es kann hier also auch ein Sad End, ein bittersüßes Ende, ein offenes Ende oder auch ein glückliches Ende geben. Der Autor ist bei einem Liebesroman viel freier in der Arbeit, als bei einer Romance.
Wichtig ist aber auch, dass ein Liebesroman auch eine Romance sein kann aber eine Romance muss nicht ein Liebesroman sein.
Ich weiß, es ist kompliziert, aber so lauten die Regeln.
Nun zu den Tropes:
Wir alle mögen irgendwie den Trope, wenn Gegner zu Liebenden werden, aber habt ihr gewusst, dass es da so feine Unterschiede gibt?
Der grobe Unterschied zwischen Enemies to Lovers, Haters to Lovers und Rivals to Lovers ist der Grad der Feindschaft, wo bei Enemies es um einen harten, oft lebensbedrohlichen Konflikt geht, hat man bei den Haters oft einen persönlichen Groll oder Ekel und bei den Rivals, beruht der Konflikt auf sportlichem oder beruflichem Wettbewerb.
Bei Enemies to Lovers sind die Kontrahenten echte Feinde, sie kommen aus verfeindeten Lagern, hegen echten tiefgreifenden Hass und strahlen echte Gefahr aus. Hier geht es um Leben und Tod, die Ehre oder sogar um das Überleben der gesamten Gruppe. Man hat hier immer das Gefühl, dass sie sich im Zweifel mit allem was sie haben, bekämpfen oder sogar vernichten wollen, bevor sie überhaupt an Liebe denken oder diese zulassen und wachsen lassen.
Bei Haters to Lovers hegen die Kontrahenten gegenseitigen Groll, haben eine persönliche Antipathie und sind einfach genervt von ihrem Gegenüber, es steht hier vor allem das Nicht-Ausstehen-Können im Vordergrund. Es geht vor allem um Stolz, Sturheit und um das berühmte erste Mal, wo man vielleicht mit schlechten Eindrücken geglänzt hat. Man findet den anderen unsympathisch und extrem anstrengend, aber es droht keine direkte physische Gefahr.
Bei Rivals to Lovers geht es um gleiche Ziele oder Träume, die sie beide Erreichen wollen, wie z.B. denselben Job oder dieselbe Trophäe. Es geht hier vor allem um den Ehrgeiz und den Erfolg im Beruf oder auch im Hobby. Man empfindet hier von Anfang an heimlichen Respekt oder auch Anerkennung für die Leistung des anderen.
Am leichtesten zu erkennen ist Rivals to Lovers, aber bei Haters to Lovers und Enemies to Lovers gibt es des Öfteren Unterschiede in der Einordnung.
Wie immer heißt es auch hier, dass man sehr genau schauen muss, denn nicht immer ist das gängigste auch die beste Entscheidung für das Buch.
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